Der folgende Text wurde von einer jungen Frau geschrieben. Sie ist extrem hochsensitiv und schildert hier ihre Problematik mit sozialen Beziehungen. Aus meiner Coachingpraxis weiß ich, dass sie kein Einzelfall ist, dass viele ebenso empfinden.
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„Was bedeutet es ein HSP zu sein, diese Frage kann man nicht so leicht beantworten, für jeden ist es etwas anders, es gibt unzählige Bücher die einem selbst und Außenstehenden helfen sollen, Dinge besser zu verstehen, aber um den Alltag zu meistern gibt es wenig Hilfe. Das Verständnis anderer hört irgendwann auch auf.
Man kann es seiner Familie und seinen Freunden so oft erklären und trotzdem bringen sie dich in Situationen die einen überfordern.
Wie stellt man es zum Beispiel endgültig dar, dass man in der Öffentlichkeit oft nicht angefasst werden will? Wenn die Eindrücke um einen herum immer mehr werden, und das Gehirn komplett überfordert ist will man nicht von anderen angefasst werden, kein Schulter klopfen, keine Umarmung, kein Hand halten. Wenn man sagt man will das nicht, wird es sofort als Ablehnung verstanden, oder sie denken es ist einem „peinlich“ in der Öffentlichkeit. Das hat jedoch nichts damit zu tun, es ist oft schwer den Durchblick zu behalten. Ich für meinen Teil muss mich oft sehr konzentrieren und eine Berührung ist nicht hilfreich.
Die größte Schwierigkeit stellt immer noch mein enges Umfeld dar. Als ich beschlossen habe mich nicht mehr unter Zwang zu verstellen, brachte das viele Probleme mit sich.
Ein Bekannter nannte mich Misanthrop, meine beste Freundin spricht nicht mehr mit mir und nannte mich asozial, mir wurde gesagt ich bin nicht gesellschaftsfähig und andere wären mir doch egal und das obwohl ich für meine Lieben immer da bin, ich habe alle immer unterstützen wollen, und das war der Dank. So viele Leute haben sich schon gegen mich gewendet, Leute die mich kannten, Leute die mir sehr wichtig waren, und das nur weil ich begann ehrlich zu sein, weil ich nicht jeden anlächle, nicht mit jedem sprechen will und nicht angefasst werden will.
Selbst bei meinem Stiefvater war mein Verhalten für die Augen anderer wahrscheinlich ungewöhnlich und wirkte gemein. Ich kam zu einer Familienfeier, und zur Begrüßung wollte er mich umarmen, in dem Moment war mir das jedoch zu viel und als er mich umarmte habe ich versucht mich zu lösen und habe ihn weg gestoßen, ich weiß nicht mal ob er sich daran erinnert aber mir war nicht nur die Situation sondern auch mein eigenes Verhalten sehr unangenehm und es beschäftigt mich noch heute.“
Seit COVID 19 auf dem Plan steht hat sich ja vieles geändert. Wir nehmen mehr Rücksicht auf einander. Der 1 Meter Abstand den man jetzt immer einhalten soll zwischen Menschen tut vielen sehr gut. Auch geht es, so empfinde ich es zumindest, etwas langsamer zu. Man schreit nicht mehr gleich „Zweite Kaaaassaaaaa!“, man lässt Anderen die Vorfahrt mit dem Einkaufswagerl, man klebt nicht schon am Vordermann drauf wenn der noch seine Einkäufe ins Wagerl schupft. Auch höre ich in meinem Umfeld, das jobmäßig jetzt auch nicht alles mehr „as soon as possible“ sein muss, also jetzt sofort, auf der Stelle.
Und siehe da, die Welt dreht sich noch, trotz dieser Veränderungen. Nein, nein, ich sagt jetzt nicht, dass alles super ist und der Virus ein Segen oder so. Aber er ist nun mal da und, auch wenn es manchmal nicht sofort oder nur schwer zu erkennen ist, so hat alles Negative auch etwas Positives.
Und eine positive Sache die ich unter anderem sehe, ist, dass es vielen hochsensitiven Menschen, zumindest in Teilbereichen, jetzt besser geht. Ich wünsche mir, dass wir, wenn das Viruschaos vorbei ist, etwas von dieser Rücksichtnahme auf einander mitnehmen und mehr auf die Bedürfnisse der Menschen eingehen.
Herzliche Grüße
Moni Bock
#hsp#hochsensitivität#covid19#sozialebeziehungen#miteinander#ruecksichtnahme